UX Management braucht eine klare, messbare UX-Strategie

Artikel UX Management Anforderungen

Hinderks, Andreas; Domínguez Mayo, Francisco José; Escalona, María José; Thomaschewski, Jörg (2024): Requirements for User Experience Management - A Tertiary Study. In: IJIMAI (International Journal of Interactive Multimedia and Artificial Intelligence) 8 (6), S. 160–167. DOI: 10.9781/ijimai.2024.01.004. || Download

Zusammenfassung

Die Studie untersucht die Anforderungen an User Experience Management (UX-Management). Dazu wurde eine tertiäre Studie durchgeführt, in der 16 systematische Literaturreviews (SLRs) analysiert wurden. Ziel war es, herauszufinden, welche Anforderungen für UX-Management in der agilen Entwicklung abgeleitet werden können.

Als typische Anforderungen wurden Prototyping und UX-/Usability-Evaluation identifiziert. Besonders betont wird die Notwendigkeit einer besseren Kommunikation zwischen UX-Professionals und Entwicklern. Aber der Schlüssel zum Erfolg ist eine klare, messbare UX-Strategie.

Wissenschaftliche Fakten

  • 16 systematische Literaturreviews analysiert
  • 13 spezifische Anforderungen identifiziert
  • Hauptanforderungen:
    • People/Social: Bessere Zusammenarbeit zwischen UX-Teams & Entwicklern
    • Technology/Artifacts: Prototyping & UX-Evaluation
    • Process/Practice: Klare, messbare UX-Strategie notwendig
  • Man braucht: eine UX Ziel, eine UX Strategie und UX Resourcen mit entsprechenden Verantwortlichkeiten

Platzhalter für Abbildung 2

UX-Management ohne klare Ziele führt zu einem strukturellen Problem

Anna ist UX-Managerin in einem Softwareunternehmen. Ihr Team hat monatelang an der Neugestaltung einer Finanz-App gearbeitet. Es gab umfangreiche Tests, mehrere Prototyping-Runden und zahlreiche interne Feedback-Schleifen. Als das Projekt kurz vor dem Release steht, wird Anna von der Geschäftsführung gefragt:

"Hat sich die User Experience wirklich verbessert?"

Sie hält kurz inne. Die App fühlt sich besser an, sie ist intuitiver, die Nutzenden verstehen die Abläufe schneller – aber wo sind die messbaren Belege? Welche konkreten Verbesserungen lassen sich nachweisen? Gab es ein klares UX-Ziel?

Ohne eine definierte UX-Strategie bleibt die Bewertung von Verbesserungen oft subjektiv. Viele Unternehmen setzen auf agile Methoden, aber ohne eine strategische Verankerung von UX bleibt sie ein reaktiver Prozess – getrieben von Einzelfeedbacks statt von klaren, messbaren Zielen. Zudem erschweren knappe Ressourcen und eine unzureichende Abstimmung zwischen UX-Teams und Entwicklungsteams eine systematische Umsetzung.

Fazit: UX-Management kann nur erfolgreich sein, wenn es klare Ziele gibt, die kontinuierlich gemessen und mit den Entwicklungsteams abgestimmt werden. Eine enge Integration in agile Prozesse sorgt dafür, dass UX nicht nur als letztes Feintuning betrachtet wird, sondern als zentrale Säule der Produktentwicklung.


Autor:innen aus dem "Forschen-im-Norden.de"-Team

Andreas Hinderks (Prof. Dr.)Andreas Hinderks
arbeitet an der Hochschule Hannover und ist langjähriger Experte im Bereich User Experience (UX). Sein Fokus liegt darauf, UX in Organisationen sichtbar und strategisch nutzbar zu machen. Durch gezielte Methoden aus dem UX-Management unterstützt er Teams dabei, digitale Produkte mit einem hervorragenden Nutzererlebnis zu gestalten. Mit seiner Promotion im Jahr 2021 auf dem Gebiet des UX-Managements und seiner kontinuierlichen Forschung bringt er wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis ein – sowohl in Unternehmen als auch in der Lehre.


Jörg Thomaschewski (Prof. Dr.)Jörg Thomaschewski
arbeitet an der Hochschule Emden/Leer und ist Gründer der Forschungsgruppe "Research Group for Agile Software Development and User Experience". Als Mitentwickler der UEQ-Familie (UEQ-S, UEQ+) hat er praxisorientierte Werkzeuge geschaffen, die weltweit zur Analyse und Optimierung der UX eingesetzt werden. Neben seiner akademischen Tätigkeit berät und schult er Unternehmen in den Bereichen UX-Management und agile Methoden. Sein Ziel ist es, Forschung und Praxis zu verbinden, um Unternehmen bei der Entwicklung benutzerzentrierter digitaler Produkte zu unterstützen.