Benchmark und KPIs für den UEQ+

Artikel Benchmark UEQ+ Framework

Meiners, Anna-Lena; Schrepp, Martin; Hinderks, Andreas; Thomaschewski, Jörg (2024): A Benchmark for the UEQ+ Framework: Construction of a Simple Tool to Quickly Interpret UEQ+ KPIs. In: IJIMAI (International Journal of Interactive Multimedia and Artificial Intelligence) 9 (1), S. 104–111. DOI: 10.9781/ijimai.2023.05.003. || Download

Zusammenfassung

Der Artikel beschreibt die Entwicklung eines Benchmarks für das UEQ+ Framework, das eine modulare Methode zur Messung des Nutzererlebnisses (UX) bietet. Da bisher kein Benchmark für das UEQ+ existierte, war es schwierig, einzelne UX-Werte sinnvoll zu interpretieren. Die Autoren erstellten daher einen Benchmark-Datensatz aus 3.290 UX-Bewertungen für 26 erfolgreiche Softwareprodukte. Diese Daten ermöglichen es Forschern und Praktikern, die UX eines Produkts mit etablierten Referenzwerten zu vergleichen. Der Benchmark basiert auf dem UEQ+ KPI, einem gewichteten Gesamtwert, der verschiedene UX-Skalen kombiniert. Erste Analysen zeigen, dass ein UX-KPI zwischen +1 und +2 eine gute UX repräsentiert. Der Benchmark erlaubt eine schnelle Einordnung von UX-Ergebnissen und kann Unternehmen helfen, fundierte Entscheidungen zur Verbesserung ihrer Produkte zu treffen.

Wissenschaftliche Fakten

Studienziel

  • Entwicklung eines Benchmarks für das UEQ+ Framework, um UX-Ergebnisse besser interpretieren zu können.

Methodik

  • 3.290 UX-Datensätze, Kombination bereits existierender Studien mit neu erhobenen Daten
  • Sprachversionen der Fragebögen: Deutsch (2.700), Englisch (590)
  • 26 untersuchte Softwareprodukte, z. B.: Amazon, YouTube, Google Maps, Wikipedia, Netflix, Spotify, WhatsApp, eBay, Facebook, TikTok
  • Untersuchte UX-Faktoren (je nach Produkt unterschiedlich) z.B.: Effizienz, Nützlichkeit, Vertrauen, Visuelle Ästhetik, Stimulation, Qualität der Inhalte, Intuitive Nutzung
  • Verwendung des UEQ+ KPI, einer gewichteten UX-Kennzahl

Ergebnisse

  • Der UEQ+ KPI reicht von -3 (schlechteste UX) bis +3 (beste UX)
  • Ein Wert zwischen +1 und +2 signalisiert eine gute UX
  • Google Maps hatte den höchsten UX-KPI (1,82), Facebook den niedrigsten (0,39)
  • Ein direkter Vergleich zwischen verschiedenen Produktkategorien ist schwierig

Schlussfolgerung

  • Der neue UEQ+ Benchmark hilft Forschern und Unternehmen, UX-Ergebnisse einzuordnen
  • Erste Interpretationsregeln: Werte unter 1 sind verbesserungsbedürftig, Werte über 1 sind gut
  • Weitere Studien sind nötig, um Vergleiche zwischen Produktkategorien besser zu verstehen

Abbildung: KPI-Werte und Konfidenzintervalle der UEQ+ KPIs der untersuchten Produkte
Platzhalter für Abbildung 2

Das UX-Dilemma eines Startups

Lisa ist UX-Researcherin in einem jungen Software-Startup. Ihr Team hat gerade eine neue Projektmanagement-App entwickelt, die mit etablierten Tools wie Trello und Microsoft Teams konkurrieren soll. Nach monatelanger Entwicklung ist die App endlich bereit für die erste große Nutzerstudie. Doch als Lisa die Ergebnisse auswertet, steht sie vor einem Problem: Ihr UX-Score liegt bei 1,1 – ist das nun gut oder schlecht?

Lisa weiß, dass UX-Fragebögen wie der UEQ+ eine strukturierte Messung ermöglichen. Doch ohne Vergleichswerte ist es schwer zu sagen, ob ihr Produkt wirklich mit der Konkurrenz mithalten kann. Dann entdeckt sie den neuen UEQ+ Benchmark, der die UX-Werte von 26 etablierten Softwareprodukten enthält. Ein Blick auf die Tabelle zeigt ihr:

  • Trello hat einen UX-KPI von 1,29
  • Microsoft Teams liegt bei 1,18
  • Google Maps, als Top-Produkt, erreicht 1,82
  • Facebook hingegen hat nur 0,39

Mit dieser Einordnung atmet Lisa auf: Ihr Wert von 1,1 liegt im akzeptablen Bereich, aber es gibt noch Luft nach oben. Besonders im Bereich „Intuitive Nutzung“ schneidet ihre App schwächer ab als Trello. Lisa kann nun gezielt an Verbesserungen arbeiten – dank des neuen Benchmarks hat sie endlich eine klare Orientierung.


Autor:innen aus dem "Forschen-im-Norden.de"-Team

Andreas Hinderks (Prof. Dr.)Andreas Hinderks
arbeitet an der Hochschule Hannover und ist langjähriger Experte im Bereich User Experience (UX). Sein Fokus liegt darauf, UX in Organisationen sichtbar und strategisch nutzbar zu machen. Durch gezielte Methoden aus dem UX-Management unterstützt er Teams dabei, digitale Produkte mit einem hervorragenden Nutzererlebnis zu gestalten. Mit seiner Promotion im Jahr 2021 auf dem Gebiet des UX-Managements und seiner kontinuierlichen Forschung bringt er wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis ein – sowohl in Unternehmen als auch in der Lehre.


Jörg Thomaschewski (Prof. Dr.)Jörg Thomaschewski
arbeitet an der Hochschule Emden/Leer und ist Gründer der Forschungsgruppe "Research Group for Agile Software Development and User Experience". Als Mitentwickler der UEQ-Familie (UEQ-S, UEQ+) hat er praxisorientierte Werkzeuge geschaffen, die weltweit zur Analyse und Optimierung der UX eingesetzt werden. Neben seiner akademischen Tätigkeit berät und schult er Unternehmen in den Bereichen UX-Management und agile Methoden. Sein Ziel ist es, Forschung und Praxis zu verbinden, um Unternehmen bei der Entwicklung benutzerzentrierter digitaler Produkte zu unterstützen.