Im direkten Vergleich schneidet der UEQ-S bestens ab

Artikel Vergleich SUS, UMUX-LITE, UEQ-S

Schrepp, Martin; Kollmorgen, Jessica; Thomaschewski, Jörg (2023): A Comparison of SUS, UMUX-LITE, and UEQ-S. In: Journal of User Experience, Vol. 18, Issue 2, February 2023, pp. 86-104 || Download

Zusammenfassung

Der Artikel untersucht drei verbreitete Fragebögen zur Messung des Nutzererlebnisses: SUS (System Usability Scale), UMUX-LITE (Usability Metric for User Experience - Lite) und UEQ-S (User Experience Questionnaire - Short Version). Ziel ist es, herauszufinden, inwiefern sich die Ergebnisse dieser Methoden unterscheiden oder ähneln. In einer Online-Studie mit 435 Teilnehmern wurden die Fragebögen für vier bekannte Produkte (Netflix, PowerPoint, Zoom und BigBlueButton) angewendet und verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass SUS und UMUX-LITE nahezu identische Bewertungen liefern und sich daher gegenseitig ersetzen können, während der UEQ-S weitere Ergebnisse liefert, da er zusätzlich zur Usability auch die hedonische Qualität misst. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass der UEQ-S die Pragmatische Qualität sehr gut vorhersagt und außerdem noch Aussagen über die Hedonische Qualität macht.

Wissenschaftliche Fakten

Studienziel

  • Vergleich der drei UX-Fragebögen SUS, UMUX-LITE und UEQ-S hinsichtlich ihrer Ergebnisse und Anwendbarkeit.

Methodik

  • Online-Studie mit 435 Teilnehmern.
  • Bewertung von vier Produkten: Netflix, PowerPoint (PPT), Zoom und BigBlueButton (BBB).
  • Jeder Teilnehmer füllte alle drei UX-Fragebögen aus.
  • Erfassung demografischer Daten (Alter, Geschlecht, Nutzungshäufigkeit, Erfahrung mit dem Produkt).
  • Analyse der Korrelationen zwischen den Fragebögen.

Verwendete Fragebögen

  • SUS (System Usability Scale): 10 Items, Skala von 0 bis 100, misst hauptsächlich Usability.
  • UMUX-LITE (Usability Metric for User Experience - Lite): 2 Items, Skala von 0 bis 100, misst Usability und Nützlichkeit.
  • UEQ-S (User Experience Questionnaire - Short Version): 8 Items, Skala von -3 bis +3, misst Pragmatische Qualität (PQ) und Hedonische Qualität (HQ).

Ergebnisse

  • SUS und UMUX-LITE zeigen fast identische Ergebnisse für alle vier Produkte (hohe Korrelation von 0.6 bis 0.73).
  • UEQ-S liefert zusätzliche Erkenntnisse, da er neben der Usability auch die Hedonische Qualität bewertet.
  • Häufigere Nutzung eines Produkts führt zu höheren UX-Bewertungen in allen Fragebögen.
  • Netflix erhielt die besten UX-Werte, gefolgt von Zoom, dann BBB und zuletzt PowerPoint.
  • Benchmark-Vergleich: SUS und UMUX-LITE bewerteten PowerPoint als durchschnittlich, UEQ-S hingegen als schlecht – bedingt durch die niedrige Hedonische Qualität.
  • Selbsteingeschätztes Wissen über ein Produkt korreliert mit besseren UX-Werten, besonders für SUS und UMUX-LITE.
  • Demografische Faktoren wie Alter und Geschlecht hatten keinen signifikanten Einfluss auf die UX-Bewertungen.

Schlussfolgerung

  • SUS und UMUX-LITE sind austauschbar, wenn nur die Usability gemessen werden soll.
  • UEQ-S sagt die Pragmatische Qualität sehr gut voraus und liefert zusätzlich Erkenntnisse über die Hedonische Qualität.

Storytelling: Die Suche nach dem richtigen UX-Fragebogen

Die Autoren dieser Studie standen vor einer zentralen Frage: Liefern verschiedene UX-Fragebögen vergleichbare Ergebnisse? In der Praxis gibt es viele etablierte Methoden zur Messung des Nutzererlebnisses, doch oft werden für dasselbe Produkt unterschiedliche Fragebögen verwendet. Ist es möglich, die Ergebnisse direkt miteinander zu vergleichen?

Um diese Frage zu beantworten, führten sie eine umfangreiche Studie mit 435 Teilnehmern durch. Diese bewerteten vier bekannte digitale Produkte – Netflix, PowerPoint, Zoom und BigBlueButton – anhand von drei UX-Fragebögen: SUS, UMUX-LITE und UEQ-S. Die Forscher analysierten die Zusammenhänge und stellten fest, dass SUS und UMUX-LITE fast identische Werte lieferten, während UEQ-S weitere Erkenntnisse über die hedonische Qualität der Nutzung bot.

Besonders bemerkenswert war die Erkenntnis, dass der UEQ-S eine gute Wahl im Vergleich zu SUS und UMUX-LITE darstellt. Er kann die Pragmatische Qualität eines Produkts genauso zuverlässig erfassen wie die anderen beiden Fragebögen, bietet jedoch zusätzlich wertvolle Einblicke in die Hedonische Qualität – also die Freude und das ästhetische Empfinden bei der Nutzung. Damit liefert UEQ-S eine umfassendere Perspektive auf das Nutzererlebnis und kann in vielen Anwendungsfällen eine sinnvolle Alternative sein.


Autor:innen aus dem "Forschen-im-Norden.de"-Team

Jessica Kollmorgen (Doktorandin, M.Sc. (Promotion an der Universität Sevilla))Jessica Kollmorgen
ist Doktorandin an der Universität Sevilla (Spanien) und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Agile Transformation an der Hochschule Emden/Leer. Sie ist seit 2021 aktives Mitglied der Forschungsgruppe 'Agile Softwareentwicklung und User Experience'. Ihre Forschungsinteressen sind User Experience, UX-Messung und Agile UX. Zuvor erwarb sie einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftsinformatik, während sie parallel in der Backend-Softwareentwicklung tätig war. Anschließend absolvierte sie einen Master-Abschluss in Medieninformatik mit Spezialisierung auf Mobile Computing und Sicherheit an der Hochschule Emden/Leer.


Jörg Thomaschewski (Prof. Dr.)Jörg Thomaschewski
arbeitet an der Hochschule Emden/Leer und ist Gründer der Forschungsgruppe "Research Group for Agile Software Development and User Experience". Als Mitentwickler der UEQ-Familie (UEQ-S, UEQ+) hat er praxisorientierte Werkzeuge geschaffen, die weltweit zur Analyse und Optimierung der UX eingesetzt werden. Neben seiner akademischen Tätigkeit berät und schult er Unternehmen in den Bereichen UX-Management und agile Methoden. Sein Ziel ist es, Forschung und Praxis zu verbinden, um Unternehmen bei der Entwicklung benutzerzentrierter digitaler Produkte zu unterstützen.